Heuballen

MODELLE

Landwirtschaft Feld

DIE

AKZEPTANZ

Die gesellschaftliche Akzeptanz für das Agri4Power-Konzept wurde mit einer repräsentativen Online-Umfrage in der deutschen Bevölkerung untersucht. Dafür wurde ein Choice Experiment genutzt, in dem verschiedene Gestaltungsvarianten des Konzepts abgefragt wurden. Im Experiment wurden folgende räumliche & technische Merkmale des Anlagenkonzepts miteinander kombiniert:

• Höhe der Photovoltaik-Anlagen: 1,60 m oder 2,80 m

• Reihenabstand zwischen Photovoltaik-Modulen: 15 m oder 30 m

• Anzahl der Reihen mit Photovoltaik-Modulen: 5 Reihen oder 20 Reihen

• Gestaltung der Grünstreifen entlang der Reihen mit Photovoltaik-Modulen: 10 m breiter Blühstreifen oder 1 m schmaler Grasstreifen

Um zu erfahren, ob die Befragten das Anlagenkonzept bevorzugen oder doch lieber die bisherige Trennung von landwirtschaftlichen Flächen und konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen beibehalten möchten, wurde dies als Status quo-Variante zum Choice Experiment hinzugefügt. Die Befragten konnten sich also auch gegen das Agri4Power-Konzept entscheiden.

Um die Befragungsergebnisse des Choice Experiments besser einordnen zu können, wurden von jedem Befragten Zusatzfragen beantwortet. Dazu zählen Fragen zur Soziodemographie (z.B. Geschlecht, Altersgruppen, Bildungsgruppen, Einkommen, Raumtypen), zu Einstellungen (z.B. zur Wichtigkeit von und der Zufriedenheit mit der Umsetzung von Energiewende und Naturschutz in Deutschland, Einschätzung des potentiellen Beitrags des Anlagenkonzepts zu Energiewende und Naturschutz, Innovationsneigung, ob man Ökostrom bezieht) und zur Einschätzung des Anlagenkonzepts selbst (z.B. die Frage, wie ein Zaun oder eine Heckenumrandung der Anlagen bewertet werden).

Abbildung: Ernte zwischen den Modulreihen

 

Das Agri4Power-Konzept wird insgesamt positiv von den Befragten bewertet. Drei Viertel der Befragten bevorzugen das Konzept gegenüber konventionellen Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen, die räumlich von Landwirtschaft getrennt sind. Mehr als Zwei Drittel der Befragten denken, dass das Agri4Power-Konzept einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass die Vorteile des vorgestellten Konzepts (v.a. Artenschutz durch Blühstreifen) im Vergleich zu den negativ bewerteten Aspekten (v.a. Veränderung des Landschaftsbilds) überwiegen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass es sich hier nicht um eine konkrete Standortbefragung handelt, sondern um eine Online-Umfrage zur gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz des Konzepts an sich. Die Ergebnisse können bei einer Befragung mit Anwohnern vor Ort anders sein. Das soll in weiteren Forschungsarbeiten näher untersucht werden.

Den stärksten Einfluss auf die Akzeptanz der Befragten haben die Merkmale Gestaltung von Blühstreifen und die Höhe der Photovoltaik-Anlagen. Breite Blühstreifen beeinflussen die Akzeptanz des Konzepts positiv, eine große Höhe der vertikalen Solar-Anlagen wirkt überwiegend negativ auf die Akzeptanz. Die Gestaltungsvarianten des Agri4Power-Konzepts mit höchster gesellschaftlicher Zustimmung haben breite Blühstreifen, Photovoltaik-Anlagen von geringerer Höhe, mit großen Reihenabständen und einer großen Reihenanzahl. Dabei bestand die größte Uneinigkeit unter den Befragten bzgl. der Höhe der Anlagen und der Reihenanzahl.

Es sind mehr Befragte der Meinung, dass die Kombination von Erneuerbaren Energien-Anlagen mit Artenschutzmaßnahmen positiv auf die Akzeptanz der Erneuerbaren Energien wirkt als die Kombination von Erneuerbaren Energien-Anlagen mit der Landwirtschaft. Die Erhöhung der Akzeptanz von Erneuerbaren Energien-Anlagen durch eine Kombination mit Landwirtschaft wird eher von Befragten in Großstädten und Ballungsräumen erwartet als von Befragten im ländlichen Raum und in Kleinstädten. Die Erhöhung der Akzeptanz von Erneuerbaren Energien-Anlagen durch die Kombination mit Artenschutzmaßnahmen wird eher von Befragten mit höherem Bildungsabschluss erwartet als von Befragten mit niedrigerem Bildungsabschluss.

Das Agri4Power-Konzept wird in allen Altersgruppen ähnlich bewertet. Insgesamt wird das Potenzial des Agri4Power-Konzepts größer eingeschätzt von Befragten, die zufrieden mit der Umsetzung der Energiewende sind. Umgekehrt stehen Menschen, die mit der Umsetzung der Energiewende unzufrieden sind, auch dem Agri4Power-Konzept skeptischer gegenüber. Vor allem Ökostromkund*innen sehen einen positiven Beitrag des Agri4Power-Konzepts zur Energiewende. Trotz der positiven Effekte des Agri4Power-Konzepts finden es zwei Drittel aller Befragten wünschenswert, die Agri4Power-Anlage mit einem Sichtschutz aus Bäumen und Sträuchern zu umschließen. So kann die technische Prägung des Landschaftsbildes etwas reduziert werden und die Akzeptanz der Anlagen hinsichtlich ihrer Raumwirkung positiv beeinflusst werden.

 

Die Ergebnisauswertung ist noch nicht abgeschlossen und wird in Kürze um weitere Ergebnisse ergänzt.

 

Weiterhin wurde in Vorbereitung auf das Choice Experiment eine kleine Befragung durchgeführt, in der die Akzeptanz vor Ort in der Planungsphase einer Agri4Power-Anlage untersucht wurde.

Die Auswertung der Befragung zeigt, dass die Akzeptanz der Erneuerbaren Energien-Anlage wesentlich von der Mensch-Ort-Beziehung („Sense of Place“) abhängig sein kann. Diese wird v.a. durch die Wahrnehmung der physischen Umwelt, Erinnerungen, die emotionale Ortsbindung und eine Verhaltenskomponente geprägt. Weist der Ort, an dem eine Agri4Power-Anlage errichtet werden soll, eine besondere verhaltensbezogene Exklusivität gegenüber alternativen Orten auf (Aktivität X kann nur an diesem Ort ausgeführt werden), kann die Verhaltenskomponente eine ortsbezogene Abhängigkeit schaffen. Das kann bedeuten, dass der Standort besonders sensibel ist für Veränderungen, erst recht, wenn die nur an diesem Ort ausführbaren Aktivitäten durch ein Vorhaben eingeschränkt werden sollten und die Menschen vor Ort ihr Verhalten mit nicht geringem Aufwand anpassen müssten. Durch eine frühzeitige Einbeziehung der lokalen Bevölkerung können solche erwarteten Auswirkungen rechtzeitig identifiziert und berücksichtigt werden.